Bildungsgrad, politische Orientierung, Status: So tickt Greta Thunbergs Klimabewegung

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Ab dem 20. August 2018, also vor genau einem Jahr, ging ein Mädchen nach den Ferien regelmäßig nicht mehr zur Schule. Stattdessen setzte sich Greta Thunberg mitten in Stockholm vor das schwedische Parlament. Sie hatte ein Schild dabei, darauf stand in schwarzer Schrift “Skolstrejk för klimatet”. Auf Deutsch: Schulstreik für das Klima.

Wie die Geschichte weiterging, ist bekannt: Greta Thunberg, Tochter eines Schauspielers und einer Opernsängerin, hat Zehntausende Schülerinnen und Schüler in der ganzen Welt dazu inspiriert, es ihr gleich zu tun und regelmäßig die Schule zu schwänzen, damit Politiker endlich mehr gegen den Klimawandel unternehmen.

Dank der durch Thunberg entstandenen “Fridays for Future”-Bewegung diskutieren die Menschen weltweit über die Klimabilanz von Flugreisen oder eine CO2-Steuer. Klimaforscher, Politiker und Umweltverbände waren jahrelang daran gescheitert, diese Zukunftsthemen in die öffentliche Debatte zu tragen – einem damals 15-jährigen Mädchen gelang das innerhalb von Monaten. Wie war dieser Erfolg möglich?

Wissenschaftler vom Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung haben die Klimaaktivisten für eine Studie nun genauer unter die Lupe genommen. Der Untersuchung zufolge demonstrieren auffallend viele junge Frauen für eine bessere Klimapolitik. Rund 60 Prozent der Teilnehmer sind weiblich. Laut den Autoren habe Thunberg bei vielen das Interesse am Klimawandel verstärkt. “Vor allem auf Mädchen und junge Frauen wirkt Thunberg also inspirierend und motivierend”, heißt es.

Die Demonstranten sind überwiegend junge, gut gebildete Menschen: Mehr als 55 Prozent haben das Abitur oder sind auf dem Weg dorthin. Schüler mit niedrigerem Bildungsniveau zieht es dagegen kaum auf die Straße. Nur etwa ein Prozent haben einen Hauptschulabschluss, etwa 4,5 Prozent einen Realschulabschluss.

Die Demonstranten ordneten sich selbst mehrheitlich der Mittelschicht zu. Der Arbeiterklasse zugehörig fühlten sich nur etwa vier Prozent, weniger als zwei Prozent hielten sich für einen Teil der Oberschicht.

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Greta Thunberg: Ein Jahr Klimaschutz statt Schule

Laut der Befragung der Forscher spielte die politische Orientierung der Aktivisten eine geringere Rolle, als man annehmen könnte. Zwar sahen sich die meisten eher im linken Spektrum. Aber weniger als fünf Prozent gehören einer Partei an. Die stärkste Zustimmung gab es für die Grünen. Doch 43 Prozent wollten sich auf gar keine Partei festlegen. Dafür sind etwas weniger als zehn Prozent in Umweltverbänden organisiert.

Für die internationale Erhebung hatten die Forscher in Deutschland 355 zufällig ausgewählte Demonstranten in Bremen und Berlin befragt. Dabei zeigt sich: Die Jugendlichen sind von ihrem Handeln überzeugt. 55 Prozent gehen davon aus, dass die Bewegung etwas verändern kann.

Recht genau eingrenzen können die Forscher den Zeitraum, in dem die Bewegung an Zugkraft gewann. Viele gingen am 15. März 2019 zum ersten Mal demonstrieren. Dieser Tag wurde von einem international koordinierenden Team als der erste globale Protesttag der Bewegung ausgerufen, an dem 220 Protestzüge weltweit angekündigt waren.

Greta Thunberg befindet sich momentan an Bord eines Segelboots, das sie nach New York zur Klimakonferenz bringt.

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