Bus statt Bahn: Hier müssen sich Fahrgäste in Berlin bald auf Sperrungen einstellen

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Berlin –

S-Bahn-Fahrgäste im Osten Berlins müssen sich umgewöhnen. Die angekündigten Sperrungen, die sie auf Umwege und andere Verkehrsmittel zwingen werden, rücken näher. Auch im Nordosten wird gebaut, und der obere Teil des Hauptbahnhofs wird zum Kopfbahnhof. Am Montag gab die Deutsche Bahn (DB) einen Überblick darüber, wo Reisende bald mit Baustellen rechnen müssen. “Wir bauen nicht, weil wir Spaß daran haben”, sagte Alexander Kaczmarek, der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Berlin. “Wir wollen das System Bahn zukunftsfähig machen.”

Großbaustelle im Osten: Eine der umfangreichsten Sperrungen im S-Bahn-Netz kommt nun in Sicht. Am 26. August geht es los: Dann wird die S75 zwischen Springpfuhl und Wartenberg gesperrt, weil DB Netz Gleise austauschen lässt. Auf der S7 zwischen Springpfuhl und Ahrensfelde wird es zeitweise ebenfalls Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen geben – unter anderem montags bis freitags zwischen 10.30 und 13 Uhr und an zwei Wochenenden zwischen 10 und 15 Uhr. Grund sind Logistikfahrten, die diesen Abschnitt benutzen, hieß es bei der Bahn.


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Zum 4. Oktober werden die Sperrungen erheblich ausgedehnt. Bis Mitte November fahren keine S-Bahnen zwischen Nöldnerplatz und Wartenberg, Ahrensfelde (S7) sowie Wuhletal (S5). Anlass ist, dass die Bahn ein elektronisches Stellwerk in Betrieb nimmt und die neue Zugsicherungstechnik ZBS installiert. In dieser Phase verbindet eine SEV-Linie Ahrensfelde und Marzahn mit dem S-Bahnhof Landsberger Allee, eine andere Wartenberg, Marzahn und Ostkreuz. Für die S5 pendeln Busse zwischen Ostbahnhof und Lichtenberg. Regionalzüge auf den Linien RB25 und RB26 ergänzen das Angebot, auch der Verkehr auf der Buslinie 192 wird verdichtet. “Und dann fahren auch noch Straßenbahnen”, sagte Christian Morgenroth von der DB. “Eigentlich müsste jeder Fahrgast gut ans Ziel kommen.”

BVG erweitert Hauptverkehrszeit auf der U5

Absehbar ist, dass die U-Bahn-Linie U5 einen großen Teil des Verkehrs schultern muss. Es könnte sein, dass es in den schon jetzt gut genutzten Zügen so voll wird, dass Fahrgäste zurückbleiben müssen, sagte Christian Morgenroth. Deshalb werde nun darüber gesprochen, auf der Frankfurter und der Karl-Marx-Allee eine weitere SEV-Linie einzurichten, die zumindest auf dem Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Frankfurter Allee und Alexanderplatz die U5 entlastet.

Auf jeden Fall weitet die BVG ab Anfang Oktober die Hauptverkehrszeit auf dieser U-Bahn-Linie aus. Montags bis donnerstags von 5.30 bis 21.15 Uhr, freitags bis 21.45 Uhr fahren die Bahnen alle vier Minuten und 40 Sekunden, bekräftigte BVG-Sprecher Markus Falkner. Mehr U-Bahn-Fahrten seien nicht möglich wegen des Bauzustandes am Alexanderplatz, wo die Arbeiten an der Verlängerung der U5 die Kapazität reduzieren.

Mit dem Bus nach Bernau: Im Nordosten arbeitet die DB ein großes Bauprogramm ab, das noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Darum müssen Fahrgäste der S2 auch in diesem Herbst erneut auf Busse umsteigen, diesmal zwischen Karow und Bernau vom 13. bis 16. September, vom 2. bis 7. Oktober und vom 25. bis 28. Oktober. Auch der Regionalverkehr wird an mehreren Tagen unterbrochen, unter anderem weil ein Abschnitt an ein elektronisches Stellwerk angeschlossen wird.

Bis 2025 werden 21 Brücken neu gebaut. Wie komplex diese Vorhaben sind, zeigt die Überführung am S-Bahnhof Karow, deren Durchfahrt von 9,93 auf 15,45 Meter verbreitert und von 4,03 auf 4,50 Meter erhöht wird. Zudem werden Leitungen neu verlegt. Zwar soll mit dem Einbau eines Brückenteils für die S-Bahn an diesem Wochenende eine weitere wichtige Etappe erreicht werden. Doch das Projekt im Schnittpunkt der Bahnhof- und Pankgrafenstraße wird noch einige Zeit dauern. „Ich hoffe, dass der Verkehr in diesem Bereich ab Frühjahr 2022 wieder fließen kann“, sagte Olaf Schroeder, der bei DB Netz die S-Bahn-Projekte leitet. 2022  beginnen dann die Arbeiten an der Brücke über die Wiltbergstraße in Buch.

Lücke in der Innenstadt: Auch Regional- und Fernzugfahrgäste müssen sich umstellen. Vom 10. September bis 14. Oktober können auf der Stadtbahn, die von Ost nach West durch die Innenstadt führt, zwischen Zoo und Hauptbahnhof nur noch S-Bahnen fahren. Die übrigen Gleise stehen nicht zur Verfügung gesperrt, weil ein neues Trassenelement eingebaut wird. Östlich vom Hauptbahnhof gibt es Einschränkungen, weil dort ebenfalls an einer Fuge testweise eine neue Fahrbahnübergangskonstruktion (FÜK) montiert wird. In diesem Bereich wird mit Gleis 11 aber nur eines von vier Gleisen gesperrt.

Eine neue Großbaustelle im Zentrum ab 2023

Der Regionalexpress RE1 fällt zwischen Hauptbahnhof und Zoo aus, der RE2 und der RE7 zwischen Charlottenburg und Hauptbahnhof, die RB14 zwischen Charlottenburg und Friedrichstraße. Ab 24. September beginnen die Sperrabschnitte beim RE2 und bei der RB14 bereits in Spandau. “Fernzüge werden größtenteils in den unteren Teil des Hauptbahnhofs geleitet”, sagte Christian Morgenroth. Es gebe aber Abweichungen – zum Beispiel bei Zügen von und nach Polen. 

Weil die Verbindungsstücke zwischen Stadtbahn-Viadukt und Bahnhofsbrücken derzeit zu schnell verschleißen, will die DB eine Alternative erproben.  Die beiden “Pilotfugen” werden zwei bis drei Jahre lang überwacht. 2023 soll der Austausch der restlichen 36 FÜK starten – ob konzentriert oder über Jahre verteilt, ist noch ungewiss, erklärte Olaf Schroeder. Klar ist aber: Dann wird auch die S-Bahn von Sperrungen betroffen sein.  

Wann wird bei der Bahn nicht mehr gebaut? “Nie”, sagte Bahn-Manager Kaczmarek. Es werde immer so sein, dass Anlagen instand gehalten und erweitert werden müssen. Zudem werde das Projekt i2030 der Region mehrere Neubaustrecken bescheren. “Ich freue mich, dass das System weiter wächst.”

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