Das olympische Multitalent: Der “Coconut Fighter” versucht jetzt Kanu

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Pita Taufatofua als Fahnentrager von Tonga bei der Eroffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang - Das olympische Multitalent: Der "Coconut Fighter" versucht jetzt Kanu

Pita Taufatofua als Fahnenträger von Tonga bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Es war seine zweite Olympiateilnahme – und soll nicht seine letzte bleiben.

(Foto: picture alliance / Angelika Warm)

Drei Teilnahmen bei Olympischen Spielen in drei verschiedenen Sportarten – das hat es noch nie gegeben. Ein Athlet aus dem kleinen Tonga will das schaffen. Nach Taekwondo und Skilanglauf versucht sich Pita Taufatofua nun im Kanu. Ein kurioses Ziel hat er bereits erreicht.

Pita Taufatofua fiel beim Start fast ins Wasser, nach wenigen Metern war die Konkurrenz enteilt, doch im Ziel war der “Coconut Fighter” trotzdem glücklich. “Ich saß noch immer im Kanu, und das war eines meiner Ziele. Das kann ich jetzt abhaken”, sagte der 35-Jährige am Mittwoch nach dem Vorlauf über 200 Meter bei der WM im ungarischen Szeged. Natürlich war er Letzter geworden, aber das war dem Exoten aus Tonga völlig egal. Schließlich hat er längst Tokio 2020 im Visier. Es wäre seine dritte Olympia-Teilnahme in der dritten Sportart – nach Taekwondo 2016 und Skilanglauf 2018.

In Rio, vor allem aber im eiskalten Pyeongchang war er als Fahnenträger mit nackter, eingeölter Brust weltberühmt geworden. Nun also Kanu. “Drei Teilnahmen in drei Sportarten – das hat noch niemand geschafft, glaube ich”, hatte Taufatofua schon vor der Reise nach Ungarn gesagt. Die Wahl seiner neuen Sportart lag nahe, zumindest in der Gedankenwelt des Kraftpakets aus dem Pazifikstaat nahe der Fidschi-Inseln: “Es sollte irgendwas mit Wasser zu tun haben. Schließlich gibt es davon in Tonga genug.”

Davon war allerdings vor der WM wenig zu sehen. Taufatofua verlor im Training regelmäßig das Gleichgewicht und musste zum Begleitboot schwimmen. “Aus irgendeinem Grund war das immer direkt hinter mir”, sagte er grinsend. Und dann kam der erste WM-Start, natürlich über die kürzest mögliche Distanz. Taufatofua hatte zunächst Mühe, sein Boot in die Startvorrichtung zu manövrieren, musste abbrechen und eine Extrarunde drehen. Die Konkurrenz wartete geduldig, und als sich Taufatofua wieder der Startlinie näherte und noch um Gleichgewicht bemüht war, gab die Jury einfach Grünes Licht. Das Ziel erreichte er dennoch, nach 58,19 Sekunden, fast 25 Sekunden nach dem Sieger. “Persönliche Bestzeit. Das war immerhin besser als bei meinem ersten Taekwondo-Versuch”, sagte er zufrieden.

“Wir würden auch auf einer Gummiente paddeln”

Am Donnerstag versuchte es Taufatofua erneut, diesmal im Zweier mit Malakai Ahokava. Der Start gelang, das Ziel erreichte das Duo aber erneut mit deutlichem Rückstand. “Wir waren mit einem Boot unterwegs, auf dem in Tonga alte Menschen zwischen den Inseln hin- und hergefahren werden. Es ist sehr stabil, aber auch sehr langsam. Aber ganz ehrlich: Wir würden auch auf einer Gummiente paddeln, wenn wir müssten”, sagte Taufatofua anschließend.

Viele halten ihn wegen solcher Sprüche für verrückt, seine Starts für reine Show. Doch Taufatofua, der in Australien geboren ist, widerspricht. Er werde “nicht aufhören zu versuchen, Menschen zu inspirieren, die Probleme haben, Schmerzen oder Depressionen. Sie sollen sehen: Kämpfe, kämpfe, kämpfe, dann kommst du irgendwann ans Ziel”, hatte er schon in Pyeongchang dem Sportinformationsdienst erzählt.

Das nächste Ziel heißt Tokio. Um sich bei der Weltmeisterschaft für Olympia zu qualifizieren, hätte er das A-Finale erreichen und dort Platz fünf belegen müssen. Die Chance war gleich null. Nun muss er auf die Kontinentalwettbewerbe im Februar hoffen – oder auf eine Einladung des IOC. Letzteres scheint irgendwie wahrscheinlicher.

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