Fast 8400 Vorfälle: Wo passieren in Berlin die meisten Fahrradunfälle?

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Berlin –

Die BVG hat nach der Veröffentlichung eines Videos, auf dem eine durch einen Bus herbeigeführte gefährliche Situation für einen Radfahrer und zu sehen ist, reagiert und will mit dem betroffenen Fahrer reden. Es könne „aufgrund der Dienstpläne einige Tage dauern“, bis man das Gespräch führen könne. Der Mann hatte am 9. August einen Radfahrer an der Straße der Pariser Kommune beim Einfahren in eine Haltestelle geschnitten. Nach den Worten des Radlers habe der Fahrer in einem direkten Gespräch nach dem Vorfall bestätigt, „dass er mich sehr wohl gesehen habe“.

Inwiefern das Verhalten des Busfahrers Konsequenzen hat, steht noch nicht fest. Von der BVG gibt es dazu zunächst keine weitere Auskunft. Bei der Polizei ist bislang keine Anzeige gegen den Mann eingegangen.

Um eine Bestrafung des Bus-Fahrers scheint es dem bedrängten Radler auch gar nicht zu gehen. Er ließ die Kamera lediglich laufen, um eine „schöne Aufnahme zu haben, wenn’s dann mal wirklich schief geht“. Grund seien ein „ähnlicher Vorfall mit einem anderen Bus“ und regelmäßige „Nahtod-Erfahrungen“ gewesen, teilte der Mann bei Twitter mit.

Viele Unfälle mit Radfahrern enden tödlich

Tatsächlich steigt die Zahl der Unfälle mit Radfahrern in Berlin – viele davon enden mit schweren oder gar tödlichen Verletzungen. 2018 waren es 8.383 Unfälle, wie aus einer aktuellen Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Maik Penn hervorgeht. Dabei wurden elf Radler getötet, 741 schwer und weitere 4871 leicht verletzt. 2760, also etwa jeder Dritte, blieben unverletzt. Im Jahr 2017 hatte es 7404 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern gegeben, dabei wurden neun Radler getötet, 623 schwer und 4344 leicht verletzt. 2428 Fahrradfahrer kamen mit dem Schrecken davon.

Zwar, heißt es in der Antwort der Senatsverkehrsverwaltung, treten „schwere Unfälle mit Radfahrenden“ im ganzen Stadtgebiet auf, verstärkt jedoch in der Innenstadt. Der einfache Grund: Hier sei „der Radverkehrsanteil deutlich größer“. Konkrete Zahlen, wie viele Radler in den jeweiligen Bezirken unterwegs sind, gibt es zwar nicht. Eine Schätzung der Verwaltung geht jedoch davon aus, dass in Berlin jeden Tag 12,3 Millionen Wege zurückgelegt werden, etwa 1,6 Millionen davon mit dem Rad. Also rund 13 Prozent. Die Gefahr, als Radler in einen Unfall verwickelt zu werden, unterscheidet sich dabei je nach Bezirk deutlich. Die meisten Unfälle gab es im vergangenen Jahr mit 1741 in Mitte (Vorjahr: 1503), an zweiter Stelle steht Friedrichshain-Kreuzberg mit 1238 Unfällen (Vorjahr: 1080). Danach folgt Pankow mit 959 Unfällen (Vorjahr 905).

Mit 260 Rad-Unfällen im Jahr ist Spandau am sichersten

Am sichersten sind – zumindest statistisch gesehen – die Außenbezirke Spandau mit 260 Rad-Unfällen (Vorjahr: 247), Marzahn-Hellersdorf mit 313 (Vorjahr: 239) sowie Reinickendorf mit 368 Unfällen mit Radfahrer-Beteiligung (Vorjahr: 267). In all diesen Bezirken sind relativ wenig Radfahrer unterwegs.

Einer der zentralsten Streitpunkte in der dauerhaft geführten Debatte über Verkehrssicherheit ist die Frage nach den Unfallverursachern. Laut Senatsverkehrsverwaltung wurden Radfahrer im Jahr 2018 insgesamt 4.196 Mal als Unfallverursacher erfasst, in 4.002 Fällen hingegen Kraftfahrzeugführende, also Auto-, Bus- Lkw- oder auch Motorradfahrer.

Vor diesem Hintergrund hat es sich der rot-rot-grüne Senat zum Ziel gesetzt, die Infrastruktur für den Radverkehr nachhaltig zu verbessern und auch sicherer zu machen. So sollen unter anderem zusätzliche Radwege sowie Fahrradstraßen und Radschnellverbindungen geschaffen werden. Auch die „Öffnung weiterer Einbahnstraßen für Radverkehr in Gegenrichtung“ wird von der Senatsverkehrsverwaltung als eine „beispielhafte Maßnahme“ genannt. Insgesamt stünden im laufenden Jahr vier Millionen Euro zur Verfügung. Andere Maßnahmen, wie sie vor allem von Autofahrern gefordert werden – wie eine Helm-, Versicherungs- oder Registrierungspflicht (also Nummernschilder) für Radler – lehnt die Senatsverkehrsverwaltung hingegen ab.

Für Fahrradfahrer: Helmtrage- oder Nummernschildpflicht nicht zu erwarten

So müsste bei einer Helmtragepflicht „davon ausgegangen werden, dass weniger Menschen das umweltfreundliche Fahrrad im Alltag nutzen“. Auch eine Nummernschild- und Versicherungspflicht für Radler ist nicht vorgesehen. Hierzu heißt es, dass der „gravierende Verwaltungsaufwand mit entsprechend hohen Kosten“ in keinem „angemessenen Verhältnis zum angestrebten Nutzen“ stünde.

Zudem wäre die „daraus resultierende finanzielle und zeitliche Belastung sämtlicher Halterinnen und Halter von Fahrrädern wäre unverhältnismäßig“. Eine derartige „Reglementierung der Fahrradfahrenden“ stünde weiterhin „dem Ziel des Senats entgegen, den Fahrradverkehr zu fördern“.

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