Fiese Masche: Woran es liegen kann, wenn man keine Antwort auf eine Bewerbung bekommt

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Köln/Berlin –

Lange Bewerbungsphasen können Arbeitnehmern den letzten Nerv rauben. In Anschreiben und Lebenslauf haben sie viel Mühe gesteckt, Arbeitszeugnisse zusammengestellt und mitgeschickte Unterlagen mit Bedacht ausgewählt. Ist alles gesendet, können sie nur abwarten und hoffen. Und sich der nächsten Bewerbung widmen.

Besonders ärgerlich ist es dann, wenn auf eine Bewerbung keine Rückmeldung erfolgt: keine Eingangsbestätigung, keine Einladung, aber auch keine Absage. Nach all der Mühe reagiert der potenzielle Arbeitgeber einfach gar nicht.

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Antwort auf Bewerbung bleibt aus – Chaos oder Kalkül?

Jürgen Hesse

Buchautor Jürgen Hesse traut Arbeitgebern durchaus ein fieses Kalkül mit falschen Stellenausschreibungen zu.

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Hesse/Schrader

Keine Seltenheit, weiß Jürgen Hesse, Karrierecoach und Teil des Autorenteams Hesse/Schrader. „Immer mehr Bewerber klagen, dass ihre Bewerbungen komplett unbeantwortet bleiben“, sagt Hesse. Der Umgang mit Bewerbern werde zunehmend unfreundlicher, rauer und schonungsloser. „Früher hat man wenigstens eine Eingangsbestätigung bekommen. Auch das ist heute nicht mehr selbstverständlich.“ Doch welche Gründe können dahinterstecken, wenn eine Rückmeldung ausbleibt?

Wir haben mit zwei Bewerbungscoaches gesprochen, die auf diesem Gebiet unterschiedliche Erfahrungen mit Unternehmen gemacht haben. Buchautor Hesse erzählt von verrohenden Sitten und einem fiesen Kalkül vieler Arbeitgeber. Bewerbungscoach Christine Werner hingegen wirft Arbeitgebern eher mangelhafte Organisation und Kommunikation vor.

Jürgen Hesse: Stelle häufig intern schon vergeben

„Hinter einer Stellenausschreibung steckt heute nicht immer tatsächlich eine zu besetzende Stelle“, fasst Hesse die Probleme zusammen, die er beobachtet. Immer häufiger handle es sich um „falsche“ Inserate, bei denen keiner der Bewerber später eingestellt wird.

„Oftmals sind Stellenausschreibungen eher als unterschwellige Image-Kampagnen für das Unternehmen zu verstehen – gegenüber Konkurrenten, Investoren, Kunden und Mitarbeitern.“

Weit verbreitet seien Stellen, die schon längst intern vergeben wurden, aber noch extern ausgeschrieben werden müssen. „Dann läuft eine Top-Bewerbung genauso ins Leere wie bei Inseraten, zu denen es nie eine freie Stelle gab“, so Hesse.

Investoren beruhigen, Konkurrenten und Mitarbeitern Druck machen

Da gehe es zum Beispiel um Inserate für die Außenwirkung: „Viele Arbeitgeber schreiben heute Stellen nur aus, um gegenüber Wettbewerbern und Geldgebern wirtschaftlich gut dazustehen“, berichtet Hesse. Sie wollten damit demonstrieren, dass die Geschäfte gut laufen, sie weiter wachsen und neue Leute suchen. Dabei sehe die Realität oft ganz anders aus.

Ein anderes Phänomen, das Hesse beobachtet: Eine Ausschreibung wird geschaltet, um diejenigen zu verunsichern, die diese Stelle aktuell besetzen. „Es gibt Unternehmen, die mit Jobinseraten gezielt Druck auf die eigenen Mitarbeiter ausüben wollen“, so Hesse. Fürchtet ein Arbeitnehmer, er könnte durch eine neue Kraft ersetzt werden, wird er zögern, nach mehr Gehalt oder besseren Arbeitsbedingungen zu fragen.

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Christine Werner: Ausschreibungen sind arbeits- und kostenintensiv

Bewerbungscoach Christine Werner bezweifelt, dass diese Fälle oft vorkommen. „Hauptsächlich schreiben Unternehmen aus, weil sie tatsächlich Stellen zu besetzen haben.“ Die Anzahl der ausgeschriebenen „Fake-Stellen“ sei ihrer Einschätzung nach eher gering. Jede ausgeschriebene Stelle bedeute schließlich zusätzliche Arbeit für die Personalabteilung.

Christine-Werner

Bewerbern, die keine Eingangsbestätigung erhalten, rät Christine Werner, einmal nachzuhaken.

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Christine Werner

Jemand müsse die Ausschreibung anfertigen, sie über verschiedene Kanäle veröffentlichen und sich um den Bewerbungsprozess kümmern. „Zudem sind Ausschreibungen in den einschlägigen Stellenportalen teilweise sehr kostenintensiv“, gibt Werner zu bedenken. Wolle ein Arbeitgeber ein System der Angst etablieren, „gebe es sicherlich ganz andere Möglichkeiten.“

Langwierige Prozesse, mangelnde Absprachen, Bewerbungen gehen unter

Worin sich beide Experten einig sind: An ausbleibenden Absagen seien oft Prozesse im Unternehmen schuld, die nicht so ablaufen wie geplant – ohne dass dahinter unbedingt schlechte Absichten stecken. „Teilweise sind einfach die Ausschreibungs- und Bewerbungsprozesse langwieriger als das Fortschreiten der Geschäftswirklichkeit“, erklärt Hesse. Projekte enden, das Unternehmen wird umstrukturiert, Stellen fallen weg.

Oder es mangele an der internen Kommunikation zwischen Personalern, Geschäftsführung und Fachabteilung. Das berichtet auch Werner. Dass Bewerber keine Rückmeldung bekommen, käme sicher immer wieder mal vor. „Manchmal rutscht die Bewerbung im firmeneigenen Bewerbungssystem durch, manchmal gibt es keine Personalabteilung und die Bewerbung geht im täglichen Arbeitsanfall unter“, so Werner. „Hinter den Kulissen arbeiten auch nur Menschen und Menschen machen Fehler.“

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Experten-Rat: Keine Antwort ist auch eine Antwort

Wenn sogar nach einem Vorstellungsgespräch keine Rückmeldung mehr kommt, seien meist organisatorische Gründe dafür verantwortlich. „Zum Beispiel wenn im Unternehmen nicht klar abgesprochen wurde, wer für die Absagen verantwortlich ist und jeder denkt, die Aufgabe sei erledigt.“

Ihr Rat für wartende Bewerber: „Es gilt immer, dass wenn ein Unternehmen an einem Bewerber interessiert ist, es sich auch bei ihm meldet.“ Wenn es sich nicht melde, könne man meist schon von einer Absage ausgehen. „Auf jeden Fall würde ich Bewerber immer ermutigen nachzufragen, wenn sie sich viel Mühe mit der Bewerbung gemacht haben und keine Eingangsbestätigung bekommen.“

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