Finn Lemke: Ein Heimspiel für den Größten

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Finn Lemke im Angriff – ein Bild mit Seltenheitswert. Der Melsunger aus Bremen traf gegen Burgdorf zweimal.

Finn Lemke im Angriff – ein Bild mit Seltenheitswert. Der Melsunger aus Bremen traf gegen Burgdorf zweimal. (Anne Werner)

Natürlich überragt Finn Lemke wieder alle. Mit seinen 2,10 Metern ist er in der Halle 7 auf der Bremer Bürgerweide der Längste. Wie lang 210 Zentimeter am Stück sind, fällt während des Handballspiels gar nicht sonderlich auf. Mal abgesehen von den Außenspielern einer Mannschaft auf links oder rechts, verfügen fast alle Akteure über Gardemaß. Aber wie lang der 27-jährige Bremer in Reihen der MT Melsungen ist, wird so richtig deutlich nach dem Abpfiff: Während seine Teamgefährten schon unter der Dusche stehen, posiert Lemke noch minutenlang Arm in Arm mit Kindern und Jugendlichen für Fotos. Hier die Fans mit dem geduldigen und immer freundlichen Handballstar, dort die Eltern mit ihren Handykameras.

Finn Lemke hat heute ein Heimspiel. Kein Wunder. Er hat bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen mit Handball angefangen. Von dort, also aus der Provinz, ist er 2011 aufgebrochen, um in seiner Sportart nicht nur ein Langer zu sein, sondern ein Großer zu werden. 2016, als er längst etablierter Bundesligaspieler war, ist er mit der Nationalmannschaft Europameister geworden und hat olympisches Bronze gewonnen. Das weiß in Bremen, wo Erstliga-Handball keine Rolle mehr spielt, jeder jugendliche oder erwachsene Fan.

Dass Bremen immer noch nach Erstliga-Handball lechzt, wird an diesem Sonnabend deutlich. Wieder einmal. Etwa 1500 Zuschauer kommen zum 1. Dextra-FM-Cup. Das Turnier dient vier Bundesligisten als Vorbereitung. Da geht’s nicht um Punkte und Meistertitel, aber trotzdem kommen die Besucher. Und die werden belohnt – nicht nur, wenn sie Lemke-Anhänger sind, sondern auch, weil am kommenden Wochenende mit der 1. Runde im deutschen Pokalwettbewerb die erste Pflichtaufgabe auf die Bundesligisten wartet und diese sich bereits in entsprechend guter Form präsentieren. „Im Pokal müssen wir weiterkommen“, sagt Melsungens Co-Trainer Arjan Haenen. Weil die Pokalgegner in Runde eins unterklassig sind, bedeutet der Pflichtspielauftakt für die Erstligisten zwar den ersten Ernstfall der jungen Saison, doch der gehört irgendwie auch noch zur Vorbereitung.

So bestreiten die Teams ihre beiden Partien in Bremen am Sonnabend und Sonntag immer noch im Rahmen ihrer Trainingsmaßnahmen. Aber weil der erste Bundesliga-Spieltag am 22. August beginnt, sind die Mannschaften bereits ziemlich weit. Und daher erlebt das Bremer Publikum so etwas wie eine Vorpremiere. Soll heißen: Hier und da wird noch experimentiert, es dürfen auch noch Fehler passieren, aber Vieles klappt eben auch schon ganz gut. Wie bei Melsungen zum Beispiel das Zusammenspiel von Neuzugang Kai Häfner, der fünf Tore erzielt, und Kreisläufer Marino Maric, der sogar sechsmal trifft – häufig nach genialem Pass von Häfner. Der 30-Jährige wird nach dem 30:27 über seinen Ex-Klub TSV Hannover-Burgdorf auch prompt zum „Man of the Match“, also zum „Mann des Spiels“ ernannt.

„Die Unterschiede zwischen den Topteams sind klein“

Die MT Melsungen hat die vergangene Saison als Fünfter beendet und sich für den Europapokal qualifiziert. Ohne Linkshänder Kai Häfner. Mit dem Europameister von 2016 ist die MT noch stärker geworden und hat entsprechende Ambitionen. „Wir wollen unter die ersten Fünf kommen“, sagt Co-Trainer Haenen. Das heiße aber nicht, dass sie wieder Fünfter werden wollen, stellt er gleich klar. Es dürfe auch höher gehen in der Tabelle. „Die Unterschiede zwischen den Topteams sind klein“, sagt Haenen. Gerade deshalb seien alle Partien wichtig. Niederlagen, erst recht gegen vermeintlich schwächere Teams, könnten also umso fatalere Folgen haben. „Nach zuletzt 42 Punkten wollen wir in der Saison 2019/20 mehr als 50 Punkte holen“, sagt Haenen, „mal sehen, wofür das dann reicht.“

Dass die kommende Saison gut werden kann für sein Team, glaubt und hofft auch Finn Lemke. „Wir sind noch ein bisschen schneller geworden als in der vergangenen Saison“, sagt der 27-Jährige, der als Kapitän seiner Mannschaft inzwischen nicht nur beim Einlaufen vorweggeht. Lemke genießt seinen Heimauftritt, den natürlich auch seine Eltern vor Ort verfolgen. Mit seiner eigenen Leistung ist der Abwehrhüne aber nur bedingt zufrieden. „Es hätte besser laufen können“, sagt er, weil er zwei Großchancen vergab und daher nur zwei Tore zum Sieg beisteuern konnte. Am Sonntag kann er es ja besser machen.

Zur Sache

Halbfinale

MT Melsungen – TSV Hannover-Burgdorf – 30:27

Frisch Auf Göppingen – Bergischer HC – 28:29

Spiel um Platz 3

TSV Hannover-Burgdorf – FA Göppingen – So., 14 Uhr

Finale

MT Melsungen – Bergischer HC – So., 16 Uhr

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