Herr Momsen sabbelt jetzt auf Platt

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Freunde: Detlef Wutschik und seine Klappmaul-Puppe Werner Momsen.

Freunde: Detlef Wutschik und seine Klappmaul-Puppe Werner Momsen. (Björn Hake)

Verden/Achim. Warum hat der gemeine Norddeutsche nicht so ein sonniges Gemüt wie ein Italiener? Wieso freut er sich erst über einen freien Parkplatz, wenn er vorher ewig im Kreis gefahren ist? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Werner Momsen am Sonntag, 29. September, in der Verdener Stadthalle. Der Clou: In seinem Programm „Schuum vörn Muul“ sabbelt die beliebte Klappmaul-Puppe auf Platt. Der niederdeutsche Angriff auf die Lachmuskeln startet um 19 Uhr, Einlass ist bereits eine Stunde zuvor.

Weil der Mann hinter der Puppe, Detlef Wutschik, aus dem Achimer Ortsteil Baden stammt, ist er natürlich bestens mit der plattdeutschen Sprache vertraut. Stadthallen-Leiterin Silvia Voige verspricht einen „launigen Abend“ und freut sich auf das Heimspiel der Kult-Figur im Landkreis Verden. Momsen begleitet Puppenspieler Detlef Wutschik schließlich schon mehr als zwei Jahrzehnte. „Herr Momsen hat mich wirklich schon viel herum gebracht“, erzählt Wutschik, der inzwischen in Hamburg zu Hause ist. Bis zu 170 Auftritte pro Jahr absolviert er gemeinsam mit seiner Schöpfung, dem bebrillten Herrn mit dem Eierkopf. Der kauzige Geselle ist für ihn weitaus mehr als nur eine leblose Klappmaul-Puppe, er ist mittlerweile wie ein Freund für ihn. Kunststück – verbringt er doch vor und nach den Gastspielen viele Stunden im Zug oder auf der Autobahn mit ihm. Dann sitzt Momsen Wutschik zwar nicht gegenüber oder auf dem Beifahrersitz, sondern wartet vielmehr in der Stofftasche auf seinen großen Auftritt.

Im Haus am Holzmarkt philosophiert Momsen jedenfalls am letzten Sonntag im September darüber, warum die Norddeutschen sich lieber aufregen und „Schuum vörn Muul“ haben, statt das Leben zu genießen. Richtig, die plattdeutsche Redensart bedeutet auf Hochdeutsch soviel wie Schaum vor dem Mund haben, sprich wütend sein. Momsen weiß auch, warum die Menschen in unseren Breiten erst Glück verspüren können, wenn sie es vorher schwer hatten. „Das beliebte Klappmaul gibt auf Plattdeutsch zu allem seinen Senf dazu. Und das macht glücklich“, verspricht Silvia Voige. Nach Momsens Auffassung sollte nämlich jeder Mensch vor Glück überschäumen und nicht vor Wut. „Viele Menschen kennen Glück nur noch aus den Keksen beim Chinesen“, hat das Klappmaul – an der Hand von Detlef Wutschik – beobachtet.

Dabei war er eigentlich nie der geborene Solokünstler, hat seine ersten Auftritte in einer Puppen-Kabarettshow bestritten. „Da war Werner Momsen nur eine Nummer im Programm“, erinnert sich sein geistiger Vater Detlef Wutschik, der früher am Achimer Cato Theater spielte und durch eine Marionetten-AG zum Puppenspiel fand. „Werner Momsen ist die Summer der Menschen, die mir in meiner Achimer Kindheit und Jugend begegnet sind – vom einfachen Landwirt bis zum Dorf-Unikum“, verrät der Puppenspieler. Das ist auch genau das Geheimnis seines Erfolgs – das Publikum kann sich mit ihm identifizieren und hat in seinem Freundes- oder Bekanntenkreis mindestens einen, der so tickt wie Momsen. Die Figur ist für ihren Erfinder Detlef Wutschik so etwas wie eine Hommage an seine norddeutsche Heimat, ohne jedoch den Blick für das große Ganze zu verlieren.

Tickets sind im Vorverkauf im Bremer Pressehaus sowie in allen regionalen Geschäftsstellen des WESER-KURIER erhältlich.

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