Kommentar: Trostpreis mit Spaßfaktor | Kölner Stadt-Anzeiger

Frauen, rollt die Plakate ein und sagt die nächste Demo ab! Der Kampf ist beendet, das Ziel erreicht. Wir haben die vollständige Gleichberechtigung erstritten. Ach was, mehr als das. Wir stehen kurz vor dem Erlangen der Weltherrschaft. Der Spielehersteller Hasbro bringt eine Monopoly-Version auf den Markt, bei der Frauen schon mit mehr Geld als ihre männlichen Mitspieler starten. Jedes Mal, wenn sie über das „Los“-Feld ziehen, bekommen sie zudem 240 Dollar – Männer bekommen nur 200 Dollar. Für Hasbro ist dieses Einkommensgefälle ein „zusätzlicher Spaßfaktor“, „denn damit genießen Frauen die Vorteile, die in der realen Welt häufig Männern vorbehalten sind“. Außerdem kaufen die Spieler keine Grundstücke, sondern Erfindungen von Frauen wie Kaffeefilter und Solarheizungen.

Nun mag man Hasbro ja zugute halten, dass sie auf das Thema Gender Pay Gap aufmerksam machen. Aber ausgerechnet bei einem Brettspiel? Bei dem jeder – und zwar völlig unabhängig vom Geschlecht – die gleichen Startvoraussetzungen hat und die gleichen Geldbeträge erhält? Was ja genau das ist, was Frauen fordern. Es geht eben nicht darum, ohne Grund mehr Geld als Männer zu bekommen. Das klassische Monopoly behandelt alle Spieler gleich, die Frauenversion verteilt Almosen.

Wer weiß, liebe Frauen, vielleicht überreicht Ihr Chef Ihnen ja bei der nächsten Gehaltsverhandlung in der realen Welt, bei der Sie mal wieder ein schlechteres Angebot erhalten als Ihre Kollegen mit gleicher Qualifikation, als kleinen Trostpreis mit „Spaßfaktor“ dieses neue Spiel. Aber hey, immerhin hat Ms. Monopoly auf der Verpackung einen Kaffeebecher in der Hand, auf dem „Boss“ steht. Mehr kann man doch nun wirklich nicht verlangen.

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