“Mister Cannabis”: Ein Mann mit Vergangenheit

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Der Geschäftsführer der “Mister Cannabis Gmbh” wurde 2009 vom Hamburger Landgericht wegen Marktmanipulation verurteilt. Jetzt hat er ein Cannabisgeschäft in der Hoheluftchaussee eröffnet.

Lutz Petrowsky ist Geschäftsführer eines eher ungewöhnlichen Geschäfts. In schwarzen Regalen stehen unterschiedliche Produkte: Schokolade und Muffins, Öle, Cremes und Hautgel. Die seltsame Mischung macht einen unsicher, ob man sich in einer Apotheke, einem Drogeriegeschäft oder einem Süßigkeitenladen befindet.Petrowsky begrüßt seine Gäste freundlich und erklärt, wie die angebotenen Waren wirken können und warum ihre wichtigste Zutat so wertvoll ist: Sie enthielten zum Beispiel viele Vitamine, Omega-3, Omega-6 und Omega-9-Fettsäuren, hätten eine antientzündliche Wirkung und seien gut hautverträglich. Bei der Zutat handelt es sich um Hanf – auch Cannabis genannt.

Die meisten Produkte, die Petrowsky mit seinem Unternehmen Mister Cannabis vertreibt, sind unter deutscher und europäischer Gesetzeslage rechtlich unbedenklich. Sie enthalten sogenannte Cannabidiole (CBD), die keine berauschende, also psychoaktive, Wirkung haben. Ist das Cannabis verarbeitet und weisen die Produkte weniger als 0,2 Prozent THC auf, gelten sie als legal. Nur bei CBD-Ölen und -Blüten ist die Legalität noch nicht hinreichend geklärt. Das musste Petrowsky Anfang Juli am eigenen Leib erfahren, als die Polizei zahlreiche CBD-Produkte in seinen zwei Hamburger Geschäften beschlagnahmte. Der Verdacht: Handel mit Betäubungsmitteln.

Weg vom Headshop-Image

Petrowsky beteuert, dass all seine Waren die gesetzlichen Regelungen einhalten. Mit den Mister Cannabis Stores verfolgt er das Ziel, „immer die in Deutschland zum jeweiligen Zeitpunkt legalen Cannabisprodukte zu veräußern“, so der Unternehmer. Sollte Cannabis mit einem höheren THC-Gehalt als 0,2 Prozent irgendwann legalisiert werden, würde er auch diese Produkte anbieten. „Vor allem aber wollen wir dem Kunden das Thema Cannabis in einer offenen, ansprechenden Atmosphäre näher bringen, um so vom Headshop-Image wegzukommen.“

Laut Petrowsky sei die Hanfpflanze in den vergangenen 100 bis 200 Jahren in Verruf geraten, sodass sie nur noch in einem negativen Kontext als vermeintlich einfache Einstiegsdroge gesehen wird. „Dabei ist Hanf für viele andere Dinge sehr nützlich“, so Petrowsky. Zum Beispiel als Nahrungsergänzungsmittel, Nutzfaser oder für die Herstellung von Biomasse, sagt er.

Ob die von der Polizei beschlagnahmten CBD-Produkte wirklich rechtswidrig sind, ist noch unklar. Die Ermittlungen der Polizei laufen. In erster Linie soll geprüft werden, ob die Produkte den Maximalgehalt von 0,2 Prozent THC überschreiten. Petrowsky selbst hat von der Polizei noch keine weiteren Informationen erhalten. Das Geschäft läuft derweil weiter – nur ohne die beschlagnahmten Produkte.

Angeklagt wegen der Manipulation von Aktienkursen

Schon vor diesem Vorfall war Lutz Petrowsky den Behörden nicht unbekannt. Der 50-jährige Unternehmer war vor der Gründung der Mister Cannabis GmbH im Bereich Unternehmensberatung und Unternehmensfinanzierung tätig. Einer seiner engsten Geschäftspartner war Rüdiger Beuttenmüller, der in den 90er Jahren als Finanzguru galt. Dieser wurde zwischen 2003 und 2009 jedoch für Bilanzfälschung und Marktmanipulation zu mehreren Geldstrafen sowie einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Lutz Petrowsky war im Prozess wegen der Manipulation von Aktienkursen mitangeklagt. Das Ergebnis: zwei Jahre Gefängnisstrafe auf Bewährung.

Genauer ging es in dem Fall darum, dass Beuttenmüller und Petrowsky zwischen 2002 und 2005 die Aktienkurse mehrerer beinah wertloser Unternehmen durch Falschinformationen in die Höhe trieben. Nachdem die Aktien an Wert gewonnen hatten, verkauften Beuttenmüller und Petrowsky die Anteile gewinnbringend. 1,7 Mio. Euro sollen sie dabei eingenommen haben.

2009 sprach das Landgericht Hamburg in diesem Fall eines der härtesten Urteile im Bereich der Marktmanipulation aus. Gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten räumt Petrowsky die Fehler aus seiner Vergangenheit ein: „Für die Fehler sind Strafen verbüßt worden. Dabei sollte man es dann auch mal belassen und sich der Zukunft zuwenden.“

„Grat zwischen legal und illegal manchmal sehr, sehr schmal“

Im Finanzwesen sei der Grat zwischen legal und illegal manchmal „sehr, sehr schmal“, erklärt der Unternehmer die Geschehnisse aus der Vergangenheit und ergänzt: „Ob gewisse Dinge, die sich im Nachhinein vielleicht doch nicht als rechtlich einwandfrei herausstellten, mit der vollen Absicht begangen wurden, sei mal dahingestellt.“ Laut Petrowsky würden sich während eines unternehmerischen Prozesses die Parameter manchmal auf der Strecke verändern. Dinge, die man anstößt, könnten also legal sein und sich dann auf dem Weg verändern – bis hin zur Grauzone oder Illegalität. Das sei aber nicht von Anfang an klar gewesen.

Petrowsky arbeitet heute weiterhin mit Rüdiger Beuttenmüller zusammen. Aus den Fehlern der Vergangenheit, sagt er, wolle er aber lernen. „Wenn man in der Vergangenheit Dinge falsch gemacht hat, versucht man es im Nachhinein besser und richtig zu machen.“ In dem Geschäftsmodell der Mister Cannabis GmbH sehe er eine riesengroße Chance: „Weil es ein Markt ist, der in Deutschland noch sehr frisch ist und mit der schrittweisen Legalisierung ein sehr großer Wachstumsmarkt sein wird.“

Wachsen wird die Mister Cannabis GmbH schon in diesem Jahr. Zwei weitere Ladeneröffnungen sind für die nächsten Monate geplant, eine in Barmbek und eine in Winterhude. Gleichzeitig läuft der Franchise-Roll-out. So soll Mister Cannabis bis zum Jahresende schon mit zehn Standorten in ganz Deutschland vertreten sein. 2020 könnten dann nochmal mindestens 20 hinzukommen. Wäre es eine Option, in der Zukunft auch an die Börse zu gehen? „Immer“, sagt Lutz Petrowsky. „Wie man immer so schön sagt: The sky is the limit.“

Der Beitrag “Mister Cannabis”: Ein Mann mit Vergangenheit erschien zuerst auf Eimsbütteler Nachrichten.

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