Prekär aufgeladen: Wer tatsächlich von E-Rollern in Berlin profitiert

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Wer spätabends aus dem Kino kommt oder mit dem Hund Gassi geht, trifft in manchen Gegenden früher oder später an einer Straßenecke auf einen Transporter mit Warnblinker, dessen Fahrerin oder Fahrer aus den angrenzenden Nebenstraßen E-Roller einsammelt. Sie halten einen Handscanner an die Zweiräder, es piept einmal, dann landen die Treter auf der Ladefläche. Die Transporter gehören nicht den Anbietern der Roller, sondern sind gemietet, aus eigener Tasche derer bezahlt, die von den Firmen Juicer oder Hunter genannt werden, was cool, weil mehr nach Rotlicht oder Auftragskiller, klingt.

Juicer laden die E-Roller bei sich zuhause auf – und verdienen fast nichts

Manch ein Kommentar führt Kritik am Umgang mit dem E-Tretroller auf Lobbyismus zurück, die Zahl der Autos auf den Straßen sei schließlich viel höher als die der hippen Kurzstreckenvehikel. Die Existenz eines Problems mit dem Verweis auf ein anderes Problem zu negieren, na ja. Dass die Zulassung eines bloßen Spaßmobils zeitgleich einen neuen Niedrigstlohnsektor geschaffen hat, ist doch irgendwie zynisch.

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Zum Aufladen der Akkus fahren die Juicer die Roller über Nacht in ihre Privatwohnungen. Was bei vier Euro pro aufgeladenem Teil bei ihnen hängen bleibt, nach Abzug von Stromkosten, Transportermiete, Kraftstoff und eventuell Steuern, gilt einkommensmäßig als prekär. Eigentlich müsste die Politik dagegen selbst dann auf die Barrikaden gehen, wenn der E-Tretroller wirklich das Flaggschiff der Verkehrs- und Klimawende wäre.

Die Bilanz der E-Roller ist mies – bei Umwelt und Verkehr 

Ist er aber nicht. Leihroller sind Untersuchungen zufolge nach wenigen Wochen Schrott, sie werden mit Diesel-Transportern eingesammelt und beziehen Strom, der nur selten ökologisch sein dürfte. Ganz zu schweigen von Rohstoffgewinnung und Entsorgung der Akkus. Die CO2-Bilanz der Roller ist mies, und sie sorgen nicht für weniger, sondern für mehr Verkehr, denn mehrere Studien zeigen, dass die Nutzer sonst zu Fuß gegangen oder mit dem Rad gefahren wären. Es profitieren weder das Klima noch der Verkehr, sondern private Unternehmen.

Wenn die Dinge nicht wie gewünscht laufen, müssen sie übrigens nicht laufen gelassen werden, wie das Beispiel Mailand zeigt. Dort wurden die Anbieter aufgefordert, binnen weniger Tage alle Leihroller einzusammeln. Bevor sie wieder zum Einsatz kommen könnten, brauche es erst weitere Regelungen.

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