Tag des offenen Spreeparks: Helden unter dem Riesenrad

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Berlin –

Als Berliner ist man Baustellen gewöhnt. Überall bohrt und hämmert es, Fassaden werden abgeschlagen, neue Häuser hochgezogen. Schon in meiner Kindheit prägten Bauarbeiter das Straßenbild, heute komme ich mit meinen Söhnen keine zwei Meter weit, weil Bagger, Zementmischer und riesige Gerüste einfach zu interessant sind. Meine Begeisterung hält sich meist in Grenzen. Nun gibt es aber ein äußerst interessantes Bauvorhaben, das am Wochenende vorgestellt wird, zu dem ich auf jeden Fall mit den Jungs hinfahren werde. Es geht um die Zukunft des Spreeparks, der 1969 als größter Freizeitpark der DDR unter dem Namen Plänterwald eröffnet wurde.

Seit Jahrzehnten schon fristet der Park ein tristes, wenn auch sagenumwobenes Dasein. Der Mythos speist sich aus Geschichten um stillgelegte Fahrgeschäfte, wie das Wahrzeichen des Parks, ein 45 Meter hohes Riesenrad, das weithin sichtbar ist, sich aber schon lange nicht mehr dreht, oder um die abenteuerliche Geschichte einer Schaustellerfamilie und sogar Drogenschmuggel. Wehmut und etwas Grusel liegen in der Luft.

Erste europäische Kunst- und Kulturpark soll entstehen

Das soll anders werden. Grün Berlin entwickelt seit 2016 ein neues Nutzungskonzept und wird das am Wochenende zu den „Tagen des offenen Spreeparks“ vorstellen. Was man über die Pläne hört, klingt ambitioniert und sehr modern. Der erste europäische Kunst- und Kulturpark soll entstehen. Mit viel Bürgerbeteiligung, vor allem Gesprächen und Werkstätten, wurde ein Konzept entwickelt, das weit über Karussells und Zuckerwatte hinausgeht.

Der Spreepark soll die Themen Kunst, Kultur und Natur behutsam vereinen. Am Sonnabend sind die Planer in der alten Werkhalle, die später auch als moderner Eingangsbereich dienen soll, und erläutern in Diskussionsrunden ihre Pläne. Jeder ist eingeladen, Fragen zu stellen. Aktuelle Kunst und Kultur sollen Einzug halten. Noch bestehende Fahrgeschäfte bleiben erhalten und dienen teilweise als Wege in luftiger Höhe durch das Landschaftsschutzgebiet Plänterwald. Denn der Spreepark soll kein reiner Vergnügungspark werden, mit Jahrmarktbuden, Kettenkarussells und Event-Gastronomie.

Den Anwohnern und Bürgern, die an den Werkstätten teilgenommen haben, waren grüne Erholungsflächen genauso wichtig. Neue Nischen sollen an der Spreeuferpromenade und an der Kiehnwerderallee entstehen. Nischen mit Sitz- und Spielmöglichkeiten. 

Das Englische Dorf, Ende der 90-Jahre vom Londoner Künstler Ted Veillard entworfen, soll wieder genutzt werden. Außerdem soll das frühere 360-Grad-Kino auf dem Gelände wiederbelebt werden.

Geschichten aus der Vergangenheit des Spreeparks

Als neuer Eingang nahe dem Treptower Park könnte es Besucher über die Geschichte des Areals informieren. Am Sonnabend lädt die „Spreepark-Soapbox“ ein, Geschichten aus und über die Vergangenheit des Freizeitparks zu hören. Ehemalige Bühnenkünstler werden berichten. Außerdem finden alle 20 Minuten Führungen durch das Parkgelände statt. Das Eierhäuschen war schon zu Fontanes Zeiten ein beliebtes Ausflugslokal.

Nach der Wende und mit der Abwicklung des Freizeitparks verfiel es. Als Anziehungspunkt mit Gastronomie, Ausstellungsräumen und Künstlerresidenzen soll das Traditionslokal im zukünftigen Spreepark wieder eine große Rolle spielen. Noch ist das Eierhäuschen eine Baustelle, kann aber am Wochenende besichtigt werden.
Und die vielleicht beruhigendste Information zum Schluss: Das Riesenrad soll sich wieder drehen. 

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