Vier Tote bei Unfall: Trauer und Entsetzen in der Invalidenstraße

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Vier arglose Menschen sterben am Freitagabend in der Invalidenstraße Ecke Ackerstraße in Berlin-Mitte, als ein Auto von der Straße abkommt. Unter den Todesopfern ist auch ein dreijähriger Junge. Am Tag nach dem schrecklichen Unfall ist das Entsetzen groß – und noch viele Fragen offen.

Hastig nur legt die Frau ihre Blumen vor den abgeknickten Ampelmast. Zu viele Augen ruhen auf der Gehwegstelle, wo schon Rosen und Sonnenblumen liegen. Stunden zuvor hat hier ein Geländewagen vier Menschen in den Tod gerissen, darunter ein dreijähriger Junge. Die Frau geht weiter, setzt sich in einen Hauseingang, stützt den Kopf in die Hände und weint. Trauer und Fassungslosigkeit herrschen am Samstag in Berlin. Wie konnte das passieren? Warum kam der Porsche von der Straße ab?

Unfall in der Invalidenstraße in Mitte: Ein Augenzeuge berichtet

Björn Möller ist an diesem Morgen wiedergekommen. Er war Zeuge des Unfalls am Freitagabend. Es habe einen lauten Knall gegeben und als er hinsah, habe er das SUV gesehen. SUV steht für Sport Utility Vehicle (Geländelimousine).

Der Wagen hatte den Ampelmast abgeknickt und sei dann über den Gehweg geflogen. „Wie über eine Sprungschanze, es sah aus wie im Film“, sagt Möller. Die Fußgänger, die an der Ampel im Weg standen, habe das Auto mitgerissen.

porsche nach unfall - Vier Tote bei Unfall: Trauer und Entsetzen in der Invalidenstraße

Die Unfallstelle Invalidenstraße Ecke Ackerstraße in Berlin-Mitte. Hier ist ein Porsche in eine Menschengruppe gerast. Es gab vier Tote.

Foto:

Morris Pudwell

Unfall in Mitte: Medizinischer Notfall beim Fahrer?

Wie genau alles ablief, ist noch unklar. Eine offizielle Darstellung des Unfalls gibt es bislang nicht. Die Polizei wertete am Samstag noch die Spuren aus. Auch, ob ein medizinischer Notfall beim Fahrer des Wagens die Ursache gewesen sein könnte, wird geprüft. Erste Hinweise darauf flössen ebenso wie andere Aussagen, Informationen und Beweise in das Ermittlungsverfahren ein, teilte die Behörde am Samstag mit. Dem 42-Jährigen sei Blut entnommen worden.

Bezirksbürgermeister von Mitte kritisiert schwere Pkw-Modelle wie den Unfallwagen

Passanten erzählen, der Wagen sei an der roten Ampel ausgeschert und habe die wartenden Autos mit hohem Tempo überholt. „Alle sagen 80 plus“, meint Möller. Bremsspuren sind nicht zu erkennen.

Stephan Dassel (Grüne), Bezirksbürgermeister von Mitte kritisierte am Samstag schwere Pkw-Modelle wie den Unfallwagen. „Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt“, sagte er. „Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige.“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach von einem schrecklichen Unfall. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und Freunden.“ Ähnlich äußerte sich von Dassel.

spurensicherung am unfallort invalidenstrasse - Vier Tote bei Unfall: Trauer und Entsetzen in der Invalidenstraße

Die Polizei sichert am Unfallort in der Invalidenstraße in Berlin-Mitte Spuren.

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dpa

Grabkerzen stehen nun an dem Ampelmast. An einem eingedrückten Bauzaun hängt ein Werbeplakat für eine Superhelden-Ausstellung, „Giants of iron“. Ein Riese aus Metall ist mit knapp zwei Tonnen Gewicht auch das Unfallauto. Es kam völlig demoliert auf dem verwilderten Baugrundstück hinter der Ampel zu stehen. Auf dem Weg dorthin hat es sich offenbar gedreht.

Der Fahrer des Wagens kommt schwer verletzt ins Krankenhaus, ebenso zwei weitere Menschen – vermutlich auch Insassen des Unfallwagens. Polizei und Feuerwehr suchen in der Nacht zwei Stunden nach dem Unfall noch mit Wärmebildkameras nach möglichen weiteren Betroffenen.

„Die Leute rasen hier wie die Irren“

Nico Müller hat seinen Frisörladen nahe der Straßenecke. Schon vor zwei Jahren habe es dort einen schweren Unfall gegeben, sagt er, ein Auto sei in einen Laden gefahren. „Die Leute rasen hier wie die Irren.“ Eine Tempo-30-Zone sei dringend nötig. Die Tram, die Autos, Fahrräder, Tretroller – „Das ist zuviel für diese Straße.“

Was am Freitagabend geschah, soll eine Rekonstruktion ergeben. Bis tief in den Abend waren Sachverständige an der Unfallstelle und vermaßen im grellen Scheinwerferlicht Unfallspuren auf der Straße, während ein Kran vorfuhr, um das Autowrack zu bergen.

unfall invalidenstrasse auto wird geborgen - Vier Tote bei Unfall: Trauer und Entsetzen in der Invalidenstraße

Der völlig zerstörte Porsche SUV wird geborgen.

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dpa

Den ganzen Tag über kamen am Samstag Menschen zur Unfallstelle, hielten inne, diskutierten, machten Fotos. Am Abend war eine Mahnwache geplant – initiiert haben sie Interessenverbände, die gegen schwere SUV im Stadtverkehr argumentieren, jener Mischung aus Limousine und Geländewagen. Die evangelische Kirchengemeinde am Weinberg lud zu einer Gedenkandacht in der nahen Elisabethkirche. (dpa/BLZ)

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