Wir müssen über die Banane sprechen

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Der Elefant und die Fürze, das Opi-Bashing und der Kartoffelwitz – alles vergeben und vergessen. Über die Banane müssen wir aber noch mal sprechen. Luke Mockridge hat sie rausgeholt, im ZDF-Fernsehgarten, vor einem Publikum, dem auch Rentner angehörten. Dann hat er mit der Banane telefoniert, und kurz darauf ist es der Kiwi zu bunt geworden. Unter diesem Obstnamen moderiert Andrea Kiewel nun schon seit Äonen ihr öffentlich-rechtliches Erholungsformat. Irgendsoeinen dahergelaufenen Sat-1-Hansl, der sprichwörtlich in den Bühnenpool pinkeln will, braucht sie sich also echt nicht mehr zu geben. Deshalb: Abbruch, Ärger, Sommerloch gestopft.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich außer den Beteiligten niemand mehr an die beschriebenen Ereignisse erinnern kann, denn sie liegen bereits unvorstellbare vier Wochen zurück. Zwei Bundesländer haben seitdem gewählt, Tausende Menschen randalieren mit E-Rollern auf den Straßen, Ursula von der Leyen ist in Brüssel angekommen und Greta Thunberg in New York. Aber die Banane, die Banane. Man kriegt sie einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ein wunderbares Comedyutensil ist sie eigentlich, rutschig, gelb und ungefähr penisförmig. Als sei sie schon immer auf Bäumen gewachsen, um irgendwann ihr Schicksal als offizielle Wappenfrucht der deutschen TV-Unterhaltung zu erfüllen. Andererseits: Dafür sind Hella von Sinnen und Dirk Bach (er ruhe in Frieden) bestimmt nicht zu Mockridges Taufe erschienen, dafür haben sie den kleinen Luke nicht schon in jüngsten Jahren mit deutscher Comedy übergossen. Oder etwa doch?

Noch am Freitagabend Bestand Hoffnung auf Aufklärung. Da nämlich lief Luke! The Greatnightshow zum ersten Mal auf Sat 1, zwei Stunden und drei Werbeblöcke zur Primetime, sieben weitere Folgen sollen kommen. Ein großes Ding für Mockridge, der schon seit geraumer Zeit mit unwürdiger Stefan-Raab-Strebsamkeit an einem solchen Sendeplatz herumgebaggert hatte. Folglich versprach er vorher, in der ersten Folge endlich aufzulösen, wie er aus jener ZDF-Sendung fliegen konnte, die sonst alles und jeden als unbedenklichen Unterhaltungskünstler durchwinkt. Und da waren wirklich alle sehr gespannt, besonders die Orangutans im Opel-Zoo bei Königstein.

Mockridge hätte den Höllenkreis der vergangenen vier Wochen schließen können. Überall im Land hätten die Leute ihre Fernseher eingeschlagen, Böhmermann wäre an die Türkei ausgeliefert worden, und niemals hätten Joko und Klaas noch einmal eine eigene TV-Show bekommen. Stattdessen begann Luke! mit einem Auftritt von Roberto Blanco (82), und das hätte natürlich ein bisschen Spaß machen können – wenn nicht die Krönung eines neuen Star-Entertainers auf dem Spiel gestanden hätte, sondern die Eröffnung eines Möbellagers im strukturschwachen Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen.

Die Aufdröselung des ganzen Fernsehgarten-Stunts kam schließlich auch noch dran, verlief in ihrer 45-minütigen Ausführlichkeit jedoch derart müde, dass sie hier gar nicht groß ausgeführt werden soll. Nur so viel: Das seien Kinderwitze gewesen. Mockridge füllte den Rest seiner ideen- und wagnisbereinigten Debütsendung mit Nora Tschirner und David Hasselhoff, die über ihre Erfahrungen als DDR-Bürger fachsimpelten. Einmal begleitete der Moderator einen schottischen Produktplatzierungssänger am Klavier, dann verschenkte er mit wirklich bombigem Timing einen SUV und verloste gleich noch einen zweiten. “Jeder nur einen SUV!”, wollte man dem euphorischen Studiopublikum zurufen. Da lag kurzzeitig Spannung in der Luft. Dann aber versank man in seinen Sofakissen und ließ zum Rausschmiss ein endloses Mauerfallmusical über sich ergehen, in dem auch Hasselhoff und Tschirner nochmals zum Einsatz kamen.

Seinen Platz in der deutschen Fernsehgeschichte wird Luke Mockridge auch mit dieser Einlage nicht mehr korrigieren. Diesen Kerl merken wir uns, weil er bei Kiwi mit einer Banane telefoniert hat.

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